Wie Spotify die Musik verändert hat

Seit den letzten Jahren wachsen die Aufrufzahlen von Spotify enorm. Es gibt jeden Tag neue Songs und auch die alten „Klassiker“ können überall gestreamt werden. Zum Beispiel ist Queen 2018 mit dem Release des Films „Bohemian Rhapsody“ bei vielen jungen Leuten wieder richtig beliebt geworden. Aber auch Pink Floyd, Dire Straits oder Led Zeppelin (um nur eine kleine Auswahl zu nennen) gehören zu den beliebtesten Bands auf Spotify, iTunes und co. So sehr ich mich als Musik-Nerd auch darüber freue, stelle ich immer mehr fest, dass ich Spotify eigentlich hassen müsste. Denn Spotify verändert die Musik – wie ich finde – zum Schlechten…

Wie Spotify die Musik verändert

Klar sind mir die Vorteile von Spotify, iTunes und co. bewusst. Und ich benutze Spotify selber täglich. Ich liebe es, Musik zu hören und auf jeden Song zugreifen zu können. Ohne Probleme finde ich ganze Alben und Singles von Millionen Songs. Und das alles kostet mich nur ein paar Euro im Monat. So gesehen: ein Luxus! Legendäre Aufnahmen sind zum Teil als Original und als Remastered Version zu hören. Und das beste: Ich kann meine Lieblings-Playlisten immer und überall hören. Was stört mich also an Spotify?

Zeit nehmen für die Musik

Dass die Künstler:innen auf Spotify mit einigen Cent pro Klick zu wenig verdienen, ist allgemein bekannt. Doch die Folgen davon sind weitreichend und verändern die Musikproduktions- und Songwritingprozesse entscheidend.  Denn wofür lieben wir Pink Floyd, deren Alben wir seit Jahrzehnten hören? Warum ist Mark Knopfler als Gitarist von Dire Staits so großartig? Und warum hören wir Led Zeppelin Songs, die fast 10 Minuten lang sind? Weil es Spaß macht, sich Zeit für ein ganzes Album zu nehmen. Hinter dem ein Konzept steht und bei dem die Songs aufeinander aufbauen. Weil ein langes Gitarren-Solo unglaublich viele Emotionen transportiert. Und weil das Gefühl toll ist, wenn bei einem Zehn-Minuten-Song nach vier Minuten endlich das Schlagzeug einsetzt und die Musik sich immer weiter hoch schaukelt. Man nimmt sich Zeit für die Kunst. Und davon leben viele „Klassiker“ (ich erspare mir hier weitere Bands und Songs aufzuzählen, denn wir wissen ja, wer gemeint ist).

Spotify verändert die Musik zum Promotion-Tool

Spotify verändert Musik

Spotify verändert Musik

Mit Spotify und anderen Musik-Streaming-Diensten verstärkt sich nun der Kampf um Aufmerksamkeit. Da sich Konsument:innen kein ganzes Album mehr kaufen, muss ein:e Künstler:in von den wenigen Cent pro Klick leben. Der Ausweg: größere, teurere Konzerte. Mainstream Künstler:innen und Labels versuchen nun, möglichst viele Klicks zu generieren und die Hörer:innen auf die Konzerte zu locken. Also dienen die Songs mittlerweile eher auch als Promotion für die Shows. Was bedeutet das für die Musik? Ein Kampf um Aufmerksamkeit in den Charts! Das wichtigste am Song sind die ersten 30 Sekunden geworden, denn ab dann gilt ein Song auf Spotify als geklickt. Es geht nun also darum, jeder:m Höhrer:in in den ersten 30 Sekunden den kompletten Song reinzudrücken. Also ist die Folge: Intros weg, am besten direkt mit dem Refrain anfangen und das mit allem, was der Song zu bieten hat. Nach 2-3 Minuten ist dann auch Schluss und Zeit für den nächsten Klick.

Die Musikwirtschaft will einen Einheitsbrei

Was daraus resultiert, ist bein Brei aus gleich klingenden Songs. Wenig raffinierte Riffs, keine richtigen Intros mehr, einheitlich generierte Instrumentals. Die Mainstream-Charts sind davon besonders betroffen, denn hier tummeln sich die großen Künstler:innen mit den führenden Plattenlabels: Warner, Universal und Sony Music. Ein ganzes Album mit aufwendigem Konzept, das ist für die Labels heutzutage zu viel Risiko. Mehr Geld bringen Singles, die im Wochen-Takt released werden. Denn dann gibt es auch mehr Klicks und jeder Song hat die Chance in das wöchentlich aktualisierte „Release-Radar“ zu gelangen. Ein weiterer Grund für die zurückgehende Vielfalt und Kreativität in den Charts ist die kurze Studiozeit, die den Bands von den Plattenfirmen bezahlt wird. Dadurch bleibt auch weniger Zeit für intensive, kreative Aufnahmen und vieles wird in der Post Produktion „hochproduziert“.

Die Flucht in die Subgenres

Vorerst werde ich mich also weiter ärgern über die lust- und inhaltslosen Songs in den Charts. Und ich flüchte mich in kleinere Genres, in denen es noch musikalische Kunstwerke gibt. Und wer weiß? Vielleicht gibt es sie ja bald wieder. Die Band, die mit ganzheitlichen Alben überzeugt. Die Chart-Songs, die länger als drei Minuten gehen, mit richtigen Intros, emotionalen Soli und inhaltlich sinnvollen Texten. Kurz: die Musik, die Rock und Pop erst groß gemacht hat. Doch solange Spotify, iTunes und co. dafür keine Bühne bieten, müssen wir warten. Wie gut, dass Led Zepplin, Dire Straits, Queen und Pink Floyd ihre Alben mit guten Songs bereits vorgelegt haben. Als hätten sie gewusst, dass die Charts von heute dazu nicht mehr in der Lage sind.

 

Was denkst du zu dem Thema? Wie nutzt du Spotify und wie schätzt du die Veränderung in der Musik ein? Schreibe einen Kommentar unter diesem Artikel.

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